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Max LiebermannMax Liebermann

Selbstbildnis, stehend in Dreiviertelfigur, beide Hände in den Hosentaschen, 1915Selbstbildnis, stehend in Dreiviertelfigur, beide Hände in den Hosentaschen, 1915

Öl auf Malpappe
75 x 50 cm

Foto: David von Becker

1915 hat sich Max Liebermann in einem seiner zahlreichen Selbstbildnisse als respektablen Herrn von Welt, in korrekter Kleidung und ohne jeden Hinweis auf seine künstlerische Tätigkeit dargestellt. Anders als das 1925 entstandene Selbstbildnis mit Sportmütze an der Staffelei – unter den insgesamt 20 Gemälden, die die Nationalgalerie von Liebermann besitzt, bislang das einzige Selbstporträt (Inv.-Nr. A II 466) – in dem Palette, Pinsel und Staffelei wichtige Attribute seiner Selbstdarstellung sind, tritt uns hier der 68-Jährige in der lässigen Pose eines Dandys entgegen.

Einzig die luftige alla-prima-Malerei, die Liebermann mit kurzen, trockenen Pinselstrichen auf den unbehandelten Malgrund aufbrachte, verweist auf die Könnerschaft des Impressionisten. Mit Nonchalance gesetzte, winzige farbliche Akzente, wie die mit wenigen Strichen leuchtend gelborange markierte Krawattennadel, verleihen der maßvoll in Weiß-, Schwarz- und Brauntönen gehaltenen Darstellung Leben.

Das Bildnis ist jedoch mehr als eine äußerlich-spontane Momentaufnahme. Liebermann gewährt auch Einblick in sein Wesen: der kritisch prüfende Blick, den so viele Zeitgenossen beschrieben haben, die lässige, und doch formvollendete Haltung, die privat anmutende, aber eine gewisse Distanz wahrende Körpersprache, sind in unerhörter Frische dokumentiert, wie es auch eine Photographie nicht anschaulicher bewerkstelligen könnte.

Mit hochgezogener Augenbraue richtet er seinen Blick auf den Betrachter. Die weltmännischen Eleganz und geistigen Souveränität des Dargestellten erinnert an ein 1906 entstandenes Bildnis des Museumsdirektors und Kunstförderers Harry Graf Kessler von Edward Munch, auf den Liebermann seit den 1890er-Jahren heftig reagierte (Nationalgalerie, Inv.-Nr. B 50). Wir freuen uns, beide Bilder bald in einer Ausstellung gemeinsam zeigen zu können.

Kyllikki Zacharias