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Max BeckmannMax Beckmann

Selbstbildnis, 1936Selbstbildnis, 1936

Gips, in der Masse getönt,
37,5 x 30 x 33 cm

© VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Max Beckmann hat nur acht Plastiken geschaffen, die zwischen 1934 und 1936 sowie in seinem letzten Lebensjahr 1950 entstanden sind. Er hat sich damit zwar – ähnlich einer Reihe von Malern der Moderne – auch der dreidimensionalen Gestaltungsform zugewandt, aber sie hatte für ihn nicht die Bedeutung, die ihr etwa im Werk von Degas, Matisse und Picasso oder Kirchner, Schlemmer und Max Ernst zukommt.

Dennoch hat Beckmann – wenn auch erst in relativ späten Jahren – eine eigenständige Formausprägung in dieser Gattung erreicht. Seine kleinen bis unterlebensgroßen Figuren, beginnend mit dem Mann im Dunkel, 1934, bis hin zur Schlangenbeschwörerin, 1950, werden von einer sehr voluminösen, im eigentlichen Wortsinne plastischen Masse bestimmt und in eine sehr gestische, zuweilen akrobatisch ausgespannte Gestaltgebung eingebunden. Es sind Verkörperungen symbolträchtiger Zustände, die wie expressiv aufgeladene Achtungszeichen in den Raum gesetzt werden. Interessanterweise ist ihr Duktus fließender, als das in der vergleichbaren Körperbehandlung seiner Gemälde der Fall ist, in denen das Volumen härter aus dem Bildgrund herausgekantet wird. Bezüge zur Skulptur von Rodin, Degas und Matisse stellen sich ein.

Das Selbstbildnis nimmt in diesem kleinen plastischen Œuvre eine gewisse Sonderstellung ein, weil es im Gegensatz zu den anderen Figuren und trotz eines 1950 geformten Kopfes die einzige Arbeit „nach Modell“ ist, das einzige wirkliche Porträt darstellt. Diese Formung des eigenen Selbst, 1936 in Berlin geschaffen, mag mit den besonderen Umständen des Entstehungsjahres zusammenhängen, die Beckmann das Gefühl vermittelten, diese Selbstbefragung, diese Prüfung eigener Kräfte und mithin auch die Spiegelung dieser höchst angespannten Zeit im nationalsozialistischen Deutschland in einer körperlich umfassenden, ganzheitlich präsenten Realität verdeutlichen zu müssen.

Das Bildnis, so charakterisierte Andreas Franzke 1984 diesen wuchtigen, aufmerksam blickenden Kopf, „besticht durch seinen außerordentlich gesammelten, vor dem Hintergrund einer schweren Zeit nicht resignierenden, sondern einen stolzen Behauptungswillen manifestierenden Ausdruck. Eindrucksvoll ist, wie Beckmann den Schädel ganz aus der kompakten Masse heraus entwickelt. Der stämmige Halsansatz, der in seiner markanten Durchbildung wie der Auftakt zu dem kantigen, in großen Abschnitten geformten Kopf wirkt, sorgt für eine absolute Standfestigkeit.“

Wie wichtig Max Beckmann dieses Selbstbildnis gewesen ist, zeigt sich daran, dass er die Skulptur 1937 mit ins Exil nach Holland genommen hat. Und auch 1948, bei seiner Übersiedlung in die USA, gehörte der Kopf zu den Werken, die ihn begleitet haben. Danach war er im Besitz seiner Witwe, Quappi Beckmann. ln den 50er Jahren sind nach diesem Gips sechs Bronzegüsse gefertigt worden.

Fritz Jacobi