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Die NationalgalerieDie Nationalgalerie

und die Freundeund die Freunde

Berlin als geteilte Stadt mit verlängerter Nachkriegszeit bis 1989 war der Ort des Verlustes schlechthin. Nicht mehr Hauptstadt, nicht mehr Industriemetropole, ohne Umland, völlig verstört in seinen preußischen Traditionen, ohne Bildungsbürgertum, auch weil seiner jüdischen Bürger verlustig, war das geteilte Berlin ein Doppel-Ort des Verlustes.

Dagegen wirkten auf beiden Seiten einzig die Künste und die gelehrten Einrichtungen. Im Westen wie im Osten waren es die Orchester, Theater und Museen, die Bibliotheken und Universitäten, die dieser Doppelstadt eine neue alte Attraktivität und ein neues Leben stifteten.

Ludwig Mies van der Rohes 1968, im Jahr der Studentenrevolution, eingeweihter Tempel der Neuen Nationalgalerie war das erste deutliche Fanal für ein wiedererlangtes internationales Ansehen durch die modernen Künste wenigstens in der einen Hälfte der Stadt.

Werner Haftmann, erster Direktor von weitem intellektuellem Zuschnitt, blieb in Berlin ein aristokratischer Einzelgänger. Dem gegenüber war Dieter Honisch ab 1975 als zweiter Herr im Tempel der Moderne radikaler und pragmatischer zugleich. Völlig überraschend und unbeirrt agierend, war er ein meisterlicher Stratege der Überwältigung Wohlmeinender durch Kunst.

Doch erst dem Duo Honisch-Raue ist es gelungen, die Sache der Kunst in Berlin wieder zu einer öffentlichen Angelegenheit zu machen. Eben durch den von Honisch vor 33 Jahren wiederbegründeten und von Peter Raue bis 2008 präsidierten Verein der Freunde der Nationalgalerie. Spätestens mit der Wiedereröffnung der Alten Nationalgalerie auf der Museumsinsel im Jahr 2001 wird der Vereinszweck, die Förderung der Nationalgalerie, erstmals wieder als eine über die Revitalisierung Westberlins hinausgehende, der ganzen Kulturnation verpflichtende Aufgabe kenntlich.

Unter der Ägide Peter-Klaus Schusters, dritter Direktor der Nationalgalerie und zugleich Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, zieht die Nationalgalerie mit einer langen Liste hochkarätiger Sonderausstellungen von Goya, Gaugin und Picasso bis Immendorff, von „Wolkenbilder – Die Entdeckung des Himmels" bis „Melancholie-Genie und Wahnsinn in der Kunst“ zahlreiche Besucher aus dem In- und Ausland an. Viele dieser Projekte sind allein durch die Unterstützung der „Freunde“ möglich. Die bahnbrechenden Ausstellungserfolge von „Das MoMA in Berlin“ und „Die schönsten Franzosen kommen aus New York“ haben dabei nicht nur insgesamt fast 2 Mio. Besucher - zum Teil erstmalig - für Entstehung und Höhepunkte der klassischen Moderne begeistert, sondern auch einen Maßstab für zeitgemäße Ausstellungsorganisation gesetzt.

Mit Udo Kittelmann als neuem Direktor steht seit 2008 die Verbindung der sechs Häuser zu einem synergetischen, Jahrhunderte übergreifenden Ganzen im Mittelpunkt. Ausstellungsprojekte wie „Die Kunst ist super!“ im Hamburger Bahnhof (2009) oder „Louise Bourgeois / Hans Bellmer: Double sexus“ in der Sammlung Scharf-Gerstenberg (2010) zeigen, wie sich aus dem glänzenden Bestand der Sammlung der Nationalgalerie die Kunstgeschichte mit dem Heute verbindet, wie ein stärkeres Zusammendenken der Häuser ohne großen Aufwand ganz neue Assoziationsräume eröffnet.

Dieser großen, mit Alter und Neuer Nationalgalerie, Hamburger Bahnhof, Friedrichswerderscher Kirche, Museum Berggruen und Sammlung Scharf-Gerstenberg sechs Häuser umfassenden Nationalgalerie in der neuen alten Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland fördernd beizustehen, ist inzwischen zu der auch international höchst bedeutsamen Aufgabe des Vereins der Freunde der Nationalgalerie geworden.

Peter Raue, Christina Weiss und die Gewinnerin des Preis 2005 Monica Bonvicini
Jörg Immendorff at the opening of his retrospective with Gerhard Schröder, former German chancellor
Menschenschlange vor der Ausstellung "Die schönsten Franzosen kommen aus New York" in der Neuen Nationalgalerie 2007 | Foto: David von Becker
Vanessa Beecroft Performance in der Neuen Nationalgalerie